Was
ist das ?
Das rheumatische Fieber ist definiert als eine Erkrankung, die
ausgelöst wird durch die Infektion mit dem Bakterium Streptococcus
pyogenes. Die Erkrankung kann bleibenden Schaden am Herzen hinterlassen
und zeigt sich zunächst als vorübergehende Gelenkentzündung
(Arthritis), Herzentzündung (Carditis) oder durch eine
Bewegungsstörung, die Chorea genannt wird, zusammen mit
einem Hautausschlag oder unter der Haut gelegenen Knötchen.
Wie
häufig ist sie ?
In der Vergangenheit gab es große Epidemien von rheumatischem
Fieber und örtliche Ausbrüche in Gemeinden gaben Hinweis
auf die Verursachung durch eine Infektion, bevor Antibiotika
verfügbar waren. Es gab eine dramatische Abnahme der Häufigkeit
nach der Einführung von Penicillin für die Behandlung
der Rachen- und Mandelentzündung und der Verwendung von
Antibiotika zur Verhinderung von Rückfällen bei Patienten,
die früher rheumatisches Fieber hatten. Das häufigste
Alter des Beginns ist die Zeit zwischen 5 und 15 Jahren, am
häufigsten tritt es mit 8 Jahren auf. In Entwicklungsländern
ist das rheumatische Fieber noch heute eine große Herausforderung
und eine Hauptursache der erworbenen Herzklappen-
erkrankung unter jungen Leuten: dies haben wiederkehrende Krankheitserscheinungen,
die zu einer erhöhten Rate von Schäden am Herzen führen.
Während der 80er Jahre schien es ein Wiederaufflammen von
Ausbrüchen in Gegenden der Welt zu geben, die früher
als Niedrigrisikogebiet eingestuft waren. Die Erkrankung ist
in Deutschland selten, es kommen jedoch immer wieder sporadische
Fälle vor.
Was
sind die Ursachen der Erkrankung ?
Die Erkrankung ist die Folge einer fehlgeleiteten Reaktion des
Abwehrsystems bei Personen mit einem vererbten besonderen Risiko.
Die Immunantwort tritt auf gegen eine Racheninfektion mit Streptococcus
pyogenes. Bei Patienten mit akutem rheumatischen Fieber beantwortet
das Immunsystem nicht nur den Angriff der Streptokokken, sondern
die Antwort richtet sich auch gegen einzelne Gewebe des eigenen
Körpers. Meist kommt es tatsächlich zu einer Infektion
der Atemwege vor Ausbruch der Erkrankung und meist liegt dazwischen
eine Periode ohne Krankheit. Die Dauer dieser Periode ist variabel
und kann von einigen Tagen bis zu mehreren Wochen betragen.
Diese charakteristische Beziehung zur vorausgehenden Infektion
gibt die Möglichkeit für die Behandlung und Verhütung
der Erkrankung. Rachen- bzw. Mandelinfektionen mit Streptokokken
sind häufig in der allgemeinen Bevölkerung, obwohl
sich das akute rheumatische Fieber nur bei einer geringen Zahl
von Patienten zeigt. Das Risiko bei Patienten nimmt zu, wenn
früher bereits rheumatisches Fieber aufgetreten ist, insbesondere
in den ersten 3 Jahren nach Beginn der Erkrankung. . . .
Ist
die Erkrankung ererbt ?
Das rheumatische Fieber ist keine Erbkrankheit, denn es kann
nicht direkt von Eltern auf Kinder übertragen werden. Es
gibt jedoch erbliche Faktoren, die das Risiko für die Erkrankung
erhöhen. . . .
Warum
hat mein Kind diese Erkrankung bekommen ?
Kann sie verhindert werden ?
Die Umgebung und die Infektion mit Streptokokken sind bedeutende
Faktoren für die Entwicklung der Erkrankung, es ist jedoch
nicht möglich vorherzusagen, wer die Erkrankung bekommen
wird. Da es sich um eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems
handelt, wendet sich das Immunsystem, das eigentlich allein
die Streptokokken und seine Teile bekämpfen sollte, gegen
das menschliche Gewebe. Einige Streptokokken-Typen sind eher
in der Lage, ein rheumatisches Fieber hervorzurufen. Die Gefahr,
die Erkrankung zu bekommen, ist höher, wenn bestimmte Streptokokken-Typen
eine empfängliche Person infizieren. Zusammenleben auf
engem Raum ist ein wichtiger Umgebungsfaktor, der die Übertragung
der Infektion erleichtert.
Die Verhütung des rheumatischen Fiebers beruht auf dem
raschen Erkennen der Infektion mit Streptokokken und sofortigen
antibiotischen Behandlung.
Ist
es ansteckend ?
Das rheumatische Fieber selber ist nicht ansteckend. Ansteckend
ist jedoch die Rachenentzündung durch Streptokokken. Streptokokken
verbreiten sich von Mensch zu Mensch, weshalb die Ansteckung
durch Zusammenleben auf engem Raum zu Hause in der Schule oder
beim Militär erleichtert ist.
Was
sind die Hauptkrankheitserscheinungen ?
Das rheumatische Fieber zeigt sich am Anfang durch eine Kombination
von Krankheitserscheinungen, die bei jedem Patienten anders
sein können. Das akute rheumatische Fieber ist Folge einer
nicht oder nicht ausreichend behandelten Infektion des Rachens
oder der Mandeln durch Streptococcus pyogenes. Rachenentzündung
oder Mandelentzündung können erkannt werden durch
Fieber, Schluckschmerzen, Kopfschmerzen, rotem Gaumen und Mandeln,
die gerötet sind und eitrige Absonderung aufweisen, sowie
durch vergrößerte und schmerzhafte Halslymphknoten.
Jedoch können alle diese Erscheinungen sehr leicht sein
oder bei Schulkindern sogar völlig fehlen. Nach einer erscheinungsfreien
Periode kann das Kind sich dann mit Fieber und weiteren Zeichen
der Erkrankung zeigen. Die sogenannten Hauptzeichen der Erkrankung
sind:
1. Arthritis,
überwiegend eine wandernde Arthritis, die viele große
Gelenke wie Knie, Ellenbogen, Sprunggelenke oder Schultern betreffen
kann. Die Erkrankung wandert von einem Gelenk zum anderen. Die
Gelenkschmerzen können sehr stark sein, obwohl die Schwellung
nicht sehr eindrücklich ist. Die Schmerzen verschwinden
rasch, wenn man Aspirin oder ein nicht-steroidales Antirheumatikum
gibt.
2. Carditis
(Herzentzündung) ist die schwerwiegenste Erscheinung
der Erkrankung. Der Herzschlag ist beschleunigt während
Ruhe oder Schlaf und dies kann den Verdacht auf eine rheumatische
Carditis lenken. Beim Abhören des Herzens muss man auf
neue Herzgeräusche achten.
Das Herzgeräusch
kann sehr leise sein oder auch deutlich hervortreten und eine
Herzklappenentzündung anzeigen, die Endokarditis genannt
wird. Wenn eine Entzündung des Herzbeutels vorhanden ist,
spricht von Perikarditis: Flüssigkeit kann sich um das
Herz sammeln, meist jedoch ohne Beschwerden hervorzurufen, und
meist verschwindet diese Erscheinung von selber. In den schwersten
Fällen kann auch eine Entzündung des Herzmuskels auftreten,
Myokarditis genannt. Die Pumpfunktion des Herzens kann durch
die Entzündung schwächer werden. Dies zeigt sich durch
Husten, Brustschmerzen, beschleunigtem Puls und beschleunigte
Atmung. Die Untersuchung durch einen Kinderkardiologen sollte
durchgeführt werden.
3.
Chorea
Dieses Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Tanz. Es
handelt sich um eine Bewegungsstörung durch Entzündung
eines Hirnteils, das die Koordination von Bewegungen kontrolliert.
Es findet sich bei etwa 10 bis 30 % der Patienten. Im Gegensatz
zu Arthritis und Carditis erscheint die Chorea später im
Krankheitsverlauf, meist erst nach 1 bis 6 Monaten nach der
Racheninfektion. Frühe Zeichen sind Schwierigkeiten beim
Schreiben, Schwierigkeiten beim Anziehen und der Körperpflege
und sogar beim Laufen oder Essen infolge von sinnlosen, nicht
unterdrückbaren Bewegungen. Der Patient kann nur vorübergehend
diese Bewegungen willentlich unterdrücken, sie verschwinden
aber m Schlaf und sind verstärkt bei Stress oder Müdigkeit.
Bei Schülern kommt es zu einer Verschlechterung der Schulleistungen
durch Konzentrationsmangel und Angst. Wenn die Krankheitserscheinungen
nur leicht sind, kann die Chorea übersehen werden oder
als Verhaltensstörung interpretiert werden. Sie verschwindet
von selbst nach 1 bis 2 Monaten und unterstützende Behandlung
ist weiterhin notwendig.
4.
Seltenere Erscheinungen des rheumatischen Fiebers sind Hauterscheinungen.
Das Erythema marginatum ist ein vorübergehender Hautausschlag
über dem Rumpf mit ausgedehnten Flecken, abgeblasstem Zentrum
und roten Rändern, die wie eine Schlange über den
Körper verlaufen können. Subkutane Knötchen sind
schmerzlose, bewegliche Knötchen mit normaler, darüber
liegender Haut, oft über Gelenken und vorspringenden Knochenteilen.
Diese Zeichen finden sich in weniger als 5 % der Fälle
und können übersehen werden, weil sie sehr leicht
und vorübergehend auftreten können.
Es gibt andere Zeichen, die von den Eltern beachtet werden können
wie Fieber, Müdigkeit, Funktionsverlust, Appetitverlust,
Blässe, Bauchschmerzen und Nasenbluten, das insbesondere
am Anfang der Erkrankung auftreten kann.
Ist
die Erkrankung die gleiche bei jedem Kind ?
Die häufigste Erscheinung ist das Auftreten eines Herzgeräusches
bei einem älteren Kind oder einem Jugendlichen mit Gelenksentzündung
und Fieber. Jüngere Patienten haben eher eine Carditis
und weniger schwere Gelenkerscheinungen.
Die Chorea kann auch alleine auftreten oder in Kombination mit
einer Carditis, aber wenn sie zunächst alleine auftritt,
sollte weiterhin nach dem Auftreten einer Carditis gefahndet
werden.
Krankheitsbeginn und Verlauf können sehr variabel sein
auch noch nach Beginn der Behandlung.
Ist
die Erkrankung bei Kindern unterschiedlich im Vergleich zur
Erkrankung bei Erwachsenen ?
Das rheumatische Fieber ist eine Erkrankung von Schulkindern
und jungen Leuten bis 25 Jahren. Es ist selten vor dem Alter
von 3 Jahren und mehr als 80 % der Patienten sind zwischen 5
und 19 Jahre alt. Jedoch können Rückfälle auch
später im Leben auftreten, wenn die entsprechende Antibiotika-Therapie
nicht mehr durchgeführt wird.
Wie
wird die Erkrankung diagnostiziert ?
Die sorgfältige Untersuchung nach den klinischen Zeichen
und Testen haben besondere Bedeutung, weil es keine spezifischen
Laborwerte für die Erkrankung gibt. Die Kriterien zur Diagnose
der Erkrankung wurden nach einem Arzt benannt, als Jones-Kriterien
bezeichnet. Kinderrheumatologen überall auf der Welt sind
sich bewusst, dass die Erkrankung verschiedene Erscheinungen
haben kann. Ein Kind unter der Verdachtsdiagnose eines rheumatischen
Fiebers sollte von einem kundigen Arzt genau untersucht und
weiter verfolgt werden. Es kann notwendig sein, dass der Patient
zusätzlich von einem Kinderkardiologen untersucht wird.
Welche
Erkrankung ähneln dem akuten rheumatischen Fieber ?
Es gibt auch noch eine Erkrankung, die Poststreptokokken-reaktive
Arthritis genannt ist, eine Erkrankung, bei der nur eine Arthritis
nach der Streptokokken-Infektion auftritt. Die Erkrankung könnte
Teil des großen Spektrums von Erkrankungen des akuten
rheumatischen Fiebers sein.
Was
ist die Bedeutung von Testen ?
Einige Teste sind wichtig für die Diagnose und die weitere
Entwicklung des Patienten. Blutteste
sind wichtig während der Krankheitsverschlechterung und
können die Diagnose unterstützen. Wie
bei vielen anderen rheumatischen Erkrankungen finden sich Zeichen
der allgemeinen Entzündung bei fast allen Patienten mit
Ausnahme der Chorea.
Die Suche
nach Hinweisen für eine vorangehende Streptokokken-Infektion
ist sehr wichtig für die Diagnose. Jedoch ist der Rachenabstrich
mit Kultur auf Streptokokken nicht der beste Test, da viele
Patienten zum Zeitpunkt des akuten rheumatischen Fiebers den
Keim nicht mehr im Rachen tragen. Es gibt auch Blutteste, um
Antikörper gegen Streptokokken zu untersuchen, die natürlich
auch noch positiv sind, wenn der Keim bereits den Patienten
verlassen hat. Ansteigende Titer von diesen Antikörpern
nach einer Wartezeit von 2 bis 4 Wochen weisen auf eine kürztlich
zurückliegende Infektion hin. Jedoch sind diese Tests oft
unauffällig bei den Patienten, die nur eine Chorea haben.
Dadurch wird diese Diagnose besonders schwierig. Isoliert auffällige
Werte für den Antistreptolysin-Titer, ein Antikörper
gegen Streptokokken, bedeuten zunächst nur, dass der Patient
sich früher einmal mit den Streptokokken auseinander gesetzt
hat. Insofern zeigen die Streptokokken-Antikörper nur die
vorangehende Infektion an und nicht das akute rheumatische Fieber.
Wie
wird die Carditis nachgewiesen ?
Ein neues Herzgeräusch, das durch die Entzündung des
Herzens bedingt ist, ist das häufigste Merkmal der Carditis
und es ist gewöhnlich auszumachen beim Abhören des
Herzens durch den Arzt. Das EKG, das die elektrische Aktivität
des Herzens misst, ist wichtig, um das Ausmaß der Herzbeteiligung
abzuschätzen, ebenso wie dafür die Röntgenaufnahme
des Oberkörpers herangezogen werden kann. Die Ultraschalluntersuchung
mit Doppler hat eine hohe Erkennungsrate für die Carditis.
Wenn jedoch keine Krankheitszeichen einer Carditis erkennbar
sind, kann die Ultraschalluntersuchung nur bedingt gewertet
werden.
Alle diese diagnostischen Maßnahmen sind schmerzlos und
die einzige Belastung für das Kind ist, dass es zwischendurch
stillhalten muss.
Kann
das rheumatische Fieber behandelt werden oder geheilt werden
?
Das akute rheumatische Fieber ist eine wichtige Erkrankung in
einzelnen Regionen der Welt, die behandelt werden kann. Die
Behandlung der durch Streptokokken bedingten Rachenentzündung
sobald wie möglich kann diese Erkrankung verhindern. Die
Wissenschaft versucht einen Impfstoff herzustellen, der gegen
das Auftreten von akutem rheumatischen Fieber durch Streptokokken
schützt. Diese Herangehensweise könnte die Art der
Verhütung der Zukunft darstellen.
Wie
sieht die Behandlung aus ?
Während des ersten Schubes, nachdem die Diagnose bestätigt
ist, wird eine Behandlung mit Antibiotika eingeleitet. Diese
Behandlung ist nötig, obwohl möglicherweise keine
Rötung von Rachen und Mandeln mehr vorhanden ist, weil
die Streptokokken noch in den Mandeln sitzen können.
Eine Einspritzung von 1,2 Mill. E Benzatin-Penicillin tötet
die Bakterien ab und gibt Schutz während der folgenden
3 bis 4 Wochen. Bei Patienten, die schon einmal rheumatisches
Fieber hatten, wird die langfristige Anwendung von Benzatin-Penicillin
alle 3 – 4 Wochen empfohlen, um weitere Erkrankungserscheinungen
zu verhindern.
Salizylate
oder andere nicht-steroidale Antirheumatika werden für
die Gelenkentzündung während 6 bis 8 Wochen empfohlen
oder solange, bis die Gelenkentzündung verschwunden ist.
Für die schwerwiegende Carditis werden Bettruhe und hochdosierte
Steroide (Prednison) für 2 bis 3 Wochen empfohlen, danach
kann das Medikament allmählich ausgeschlichen werden. Bei
Chorea ist die Hilfe der Eltern oder des Personals und der Schule
notwendig. Die medikamentöse Therapie für die Chorea
beinhaltet die Kontrolle der Bewegungen mit Haloperidol oder
Valproinsäure unter genauer Beobachtung von möglichen
Nebenwirkungen. Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit undZittern,
das leicht kontrolliert werden kann durch eine Dosisanpassung.
In einigen wenigen Fällen kann die Chorea für mehrere
Monate dauern trotz adäquater Therapie.
Was
sind die Nebenwirkungen der medikamentösen Behandlung ?
Die anfängliche kurzdauernde Behandlung mit Aspirin und
anderen nicht-steroidalen Antirheumatika wird im Allgemeinen
gut vertragen. Die Nebenwirkungen der Steroide sind vor allem
eine Zunahme des Gewichtes, eine Schwellung des Gesichtes, Akne,
Schwangerschaftsstreifen (Striae) und eine Zunahme der Behaarung
am Körper.
Während der weiteren Phase der Verhinderung einer neuen
Infektion ist das Risiko einer Penicillin-Allergie sehr gering,
man muss jedoch damit rechnen. Die hauptsächliche Unangenehmheit
sind die Penicillin-Einspritzungen, ein wichtiges Thema für
das Durchhalten der Verhinderung neuer Infektionen, da diese
Injektionen schmerzhaft sind. Örtliche Betäubung und
Entspannung bei richtiger Injektionstechnik sind wichtig.
Wie
lange sollte die verhütende Antibiotika-Therapie durchgeführt
werden ?
Der natürliche Verlauf der Erkrankung in der Vergangenheit
hat gezeigt, dass das Risiko von Rückfällen während
der ersten 3 bis 5 Jahre nach Beginn der Erkrankung am höchsten
ist und dass während dieser Zeit das Risiko für die
Entwicklung einer Carditis mit entsprechendem Klappenschaden
mit jedem neuen Aufflammen der Erkrankung zunimmt. Aus all diesen
Gründen sollte die Verhinderung von Streptokokken-Infektionen
fortgeführt werden bei allen Patienten, die rheumatisches
Fieber hatten, unabhängig von der Schwere des Krankheitsbildes,
da auch leichte Rückfälle schwere Herzschäden
hervorrufen können.
Die meisten Ärzte stimmen überein, dass die antibiotische
Behandlung mindestens 5 Jahre dauern sollte oder bis das Kind
18 Jahre alt geworden ist, je nachdem welches später erreicht
wird, ohne dass ein Herzschaden eingetreten ist. Bei Fällen
mit Herzschaden wird empfohlen, die Prophylaxe bis zum 40. Lebensjahr
fortzusetzen.
Die Verhinderung einer bakteriellen Endokarditis mit Antibiotika
wird empfohlen für alle Patienten mit Herzklappenschaden,
wenn diese sich einem chirurgischen Eingriff oder einer Zahnarztbehandlung
unterziehen. Dies ist notwendig, weil Bakterien von anderen
Teilen des Körpers, insbesondere vom Mund, zum Herzen strömen
können und dort eine vorgeschädigte Klappe wie z.
B. beim akuten rheumatischen Fieber infizieren können.
Welche
Art von regelmäßigen Kontrollen sind notwendig ?
Regelmäßige Kontrollen und Testuntersuchungen können
häufiger notwendig sein, wenn es zu Rückfällen
kommt. Die Kontrollen sollten häufiger erfolgen, wenn eine
Karditis oder eine Chorea vorhanden sind. Nachdem alle Symptome
verschwunden sind, wird empfohlen, weiterhin nach späten
Herzschäden zu fahnden.
Wie
lange dauert die Erkrankung ?
Die Haupterscheinung der Erkrankung sind selbstbegrenzt, jedoch
das Risiko für neue Schübe bleibt bestehen und ist
am höchsten während der 5 Jahre nach Beginn der Erkrankung.
Es ist notwendig, die verhütende Antibiotika-Therapie fortzuführen,
um die Gefahr neuer Schübe zu vermeiden.
Wie
sieht die langfristige Entwicklung der Erkrankung aus, wie ist
die Prognose ?
Rückfälle sind unvorhersehbar sowohl was den Zeitpunkt
als auch die Schwere anbelangt. Wenn bereits beim ersten Anfall
eine Karditis auftrat, ist das Risiko für Schaden höher,
jedoch ist auch hier eine vollständige Ausheilung nach
Auftreten einer Karditis möglich. Bei besonders schwerem
Herzklappenschaden kann ein kardio-chirurgischer Eingriff mit
Klappenersatz notwendig sein.
Ist
es möglich völlig gesund zu werden ?
Eine völlige Ausheilung ist möglich, wenn die Carditis
nicht zu einem schweren Schaden der Herzklappen geführt
hat.
Wie
sieht das tägliche Leben aus ?
Es wird empfohlen, die Familie während der Schübe
zu unterstützen, wenn eine Karditis oder eine Chorea auftreten.
Die Gelenkentzündung ist gewöhnlich selbstbegrenzt
und spricht gut auf nicht-steroidale Antirheumatika an. Wenn
die wichtigen Symptome verschwunden sind, gibt es keine besonderen
Empfehlungen für das tägliche Leben und die normalen
Aktivitäten in Schule, Sport oder bei der Durchführung
von Impfungen. Falls ein Restschaden am Herz vorhanden ist,
sollte die Teilnahme am Sport mit dem Kinderkardiologen abgesprochen
werden.
Da die wichtigsten Symptome selbstbegrenzt sind, ist die Hauptsorge
der langfristigen Einhaltung der vorsorglichen antibiotischen
Therapie gewidmet.
Schulung der Eltern kann notwendig sein, um die Durchführung
dieser präventiven Therapie zu sichern, insbesondere bei
Heranwachsenden. Bei Heranwachsenden, die für ihre sich
ausbildende Unabhängigkeit kämpfen, sollten die Eltern
wissen, wann sie im Interesse der Gesundheit des Patienten einschreiten
müssen.
Poststreptokokken-reaktive
Arthritis
Was ist das ?
Bei Erwachsenen und Kindern sind Fälle von Arthritis beschrieben
worden, die mit einer Infektion mit Streptokokken verbunden
waren, die aber nicht die Kriterien des akuten rheumatischen
Fiebers erfüllten. Die Arthritis entwickelt sich zu einem
früheren Zeitpunkt der Erkrankung und kann auch Gelenke
der Hand betreffen, die Gelenkentzündung spricht nicht
gut auf nicht-steroidale Antirheumatika an und dauert gewöhnlich
mehrere Monate.
Wegen dieser
Erscheinungen ähnelt die Erkrankung anderen Formen der
reaktiven Arthritis. Die Diagnose beruht auf der Verbindung
mit der vorangegangenen Streptokokken-Infektion.
Bei einigen Patienten soll sich später eine Karditis entwickelt
haben. Einige Ärzte meinen, dass die Poststreptokokken-Arthritis
eine Spielform des rheumatischen Fiebers ist. Deshalb empfehlen
diese Ärzte auch für Patienten mit Poststreptokokken
reaktiver Arthritis die antibiotische Prophylaxe und die regelmäßige
Untersuchung, ob eine Karditis vorliegt.