Nicht-steroidale
Antirheumatika
Diese Medikamente
bekämpfen einige Erscheinungen rheumatischer Erkrankungen:
sie wirken gegen die Entzündung (antiinflammatorisch),
gegen Fieber (antipyretisch) und gegen Schmerzen (analgetisch).
Sie verändern nicht den Verlauf der Erkrankung, können
aber Krankheitserscheinungen kontrollieren.
Ihre Wirkung beruht auf der Blockierung eines Fermentes (Enzym),
das Cyclooxygenase (COX) heißt und das wichtig ist für
die Herstellung von Botenstoffen, die Entzündung hervorrufen.
Auf der anderen Seite haben diese Substanzen, die Prostaglandine
genannt werden, auch eine Rolle in der normalen Funktion des
Körpers. Dazu gehört der Schutz der Magenschleimhaut,
die Regulation des Blutflusses in der Niere und andere. Diese
im normalen Ablauf des Stoffwechsels wichtigen Funktionen der
Prostaglandine erklären die Nebenwirkungen der nicht-steroidalen
Antirheumatika, die die Herstellung dieser Substanzen hemmen.
Zu den Nebenwirkungen gehören:
Veränderungen des Magendarmtraktes sind die häufigsten
Nebenwirkungen, insbesondere Schäden an der Auskleidung
der Magenschleimhaut. Es kann zu leichtem Unwohlsein nach Einnahme
der Medikamente kommen bis zu schweren Bauchschmerzen und Blutungen
aus dem Magen, die als schwarze und leichte Stühle imponieren
können. Nebenwirkungen am Magen-Darmtrakt sind bei Kindern,
die nicht-steroidale Antirheumatika einnehmen, nicht gut beschrieben,
im Allgemeinen sind sie aber bedeutend seltener als bei Erwachsenen,
insbesondere wenn diese Medikamente mit Nahrung eingenommen
werden.
Nebenwirkungen auf die Leber können zur Erhöhung der
sogenannten Leberenzyme (Transaminasen) führen, dies ist
aber, mit Ausnahme von Acetylsalicylsäure (Aspirin), selten
von Bedeutung.
Nierenprobleme durch nicht-steroidale Antirheumatika sind selten
und treten meist nur bei Kindern auf, die vorher bereits eine
Fehlfunktion von Herz, Leber oder Niere hatten. Nicht-steroidale
Antirheumatika können die Blutgerinnung beeinflussen, dies
ist jedoch nur bei Kindern bedeutsam, die vorher schon eine
beeinträchtigte Blutgerinnung hatten. Acetylsalicylsäure
bewirkt die meisten Probleme bei der Blutgerinnung, weshalb
man dieses Medikament auch zu der Behandlung von Erkrankungen
mit einem erhöhten Risiko der Thrombose nimmt. Bei der
Thrombose kommt es zur Gerinnung des Blutes innerhalb des Gefäßes.
Es sind mehrere nicht-steroidale Antirheumatika verfügbar.
Naproxen und Ibuprofen sind am meisten benutzt worden. Hingegen
wird Acetylsalicylsäure heute kaum noch benutzt, insbesondere
wegen seiner Nebenwirkungen, obwohl es billig und wirksam ist.
Es ist nicht sinnvoll, mehrere nicht-steroidale Antirheumatika
gleichzeitig einzusetzen. Es gibt jedoch Unterschiede in der
Wirksamkeit verschiedener nicht-steroidaler Antirheumatika bei
verschiedenen Kindern, so dass man ein neues versuchen kann,
wenn ein anderes nicht gewirkt hat.
Neuerdings ist eine weitere Art von nicht-steroidalen Antirheumatika
auf den Markt gekommen, die COX-2-Hemmer genannt werden. Diese
Medikamente haben scheinbar weniger Nebenwirkungen am Magen,
als die traditionellen nicht-steroidalen Antirheumatika, und
das bei gleicher therapeutischer Wirksamkeit. Die COX-2-Hemmer
(Valdecoxib, Celecoxib und Rofecoxib) sind wesentlich teurer
und bisher ist unklar, welche Rolle sie im Kindesalter spielen,
da es bisher keine Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit gibt.
Cyclosporin
A
Cyclosporin A ist eine das Abwehrsystem unterdrückende
(immunsuppressive) Substanz, die ursprünglich benutzt wurde,
um eine Abstoßungsreaktion bei Patienten mit Organtransplantation
zu verhindern. Das Medikament ist ein wirkungsvoller Hemmer
einer Gruppe von weißen Blutzellen, die eine grundlegende
Rolle bei der Immunantwort spielen. Das Medikament kann in flüssiger
Form oder als Tablette gegeben werden.
Nebenwirkungen sind relativ häufig, insbesondere in hohen
Dosen und können den Einsatz des Medikamentes beschränken.
Zu den Nebenwirkungen gehören Nieren-schäden, hoher
Blutdruck, Leberschäden, Vergrößerung des Zahnfleisches,
Haarwuchs über den ganzen Körper verteilt, Übelkeit
und Erbrechen. Die Behandlung mit Cyclosporin erfordert die
regelmäßige klinische und Laborkontrolle, um mögliche
Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.
Intravenöse Immunglobuline
Immunglobuline sind Antikörper. Bei intravenösen Immunglobulinen
gibt man eine spezielle Präparation von Immunglobulinen
von einer großen Gruppe von gesunden Blutspendern, deren
Plasma verarbeitet wurde. Plasma ist der flüssige Anteil
menschlichen Blutes. Intravenöse Immunglobuline gibt man
sonst Kindern, die wegen einer Fehlfunktion ihres Abwehrsystems
keine Antikörper herstellen können. Durch Mechanismen,
die noch unklar sind und die bei verschiedenen Erkrankungen
unterschiedlich sein können, können Immunglobuline
auch bei Autoimmuner-krankungen und rheumatischen Erkrankungen
wirksam sein.
Wie der Name sagt werden diese Medikamente intravenös gegeben
und sind im Allgemeinen von großer Sicherheit. Nebenwirkungen
sind selten und können allergisch, sogar anaphylaktisch
sein. Muskelschmerzen, Fieber und Kopfschmerzen während
der Infusion und Kopfschmerzen und Erbrechen infolge einer nicht
infektiösen Hirnhautentzündung 24 Stunden nach der
Infusion können auftreten. Durch entsprechende Reinigungsverfahren
sind diese Immunglobuline frei von AIDS-Virus, Hepatitis-Viren
und anderen bekannten Viren.
Cortisonhaltige
Medikamente (Corticosteroide)
Corticosteroide sind eine große Gruppe chemischer Substanzen,
die zum Teil auch vom menschlichen Körper selbst hergestellt
werden und Botenstoffe (Hormone) sind.
Die gleichen körpereigenen Stoffe oder sehr ähnliche
Substanzen können synthetisch hergestellt werden und zur
Behandlung verschiedener Erkrankungen verwandt werden.
Das Steroid, das ihr Kind verschrieben bekommen hat, ist nicht
das gleiche, über das sie eventuell bei Sportlern gehört
haben, die im Rahmen von Doping ihre Leistung steigern wollen.
Der volle Name der Steroide, die bei entzündlichen Erkrankungen
verwandt werden, ist Glukocorticosteroide oder etwas kürzer
Corticosteroide. Corticosteroide sind sehr stark und rasch wirksam
und unterdrücken die Entzündung, indem sie mit der
Immunreaktion in einer vielfältigen Weise interagieren.
Häufig werden sie eingesetzt, um eine schnelle klinische
Besserung des Patienten zu erreichen, bevor andere Behandlungen
wirksam werden können.
Neben ihrer die Abwehr unterdrückenden (immunsuppressiven)
und ent-zündungshemmenden Wirkung, sind sie beteiligt bei
vielen weiteren Prozessen innerhalb des Körpers z. B. bei
der Funktion von Herzen und Gefäßen, bei der Stressreaktion,
im Wasser-, Zucker- und Fettstoffwechsel, bei der Blutdruckregulation
und bei anderen Funktionen. Neben der hervorragenden therapeutischen
Wirksamkeit stehen wesentliche Nebenwirkungen, die hauptsächlich
auftreten, wenn Corticosteroide über längere Zeit
und in hoher Dosis gegeben werden. Es ist wichtig, dass ein
Kind, das mit Corticosteroiden behandelt werden soll, von einem
Arzt behandelt wird, der große Erfahrung in der Behandlung
dieser Erkrankungen und im Umgang mit diesen Medikamenten besitzt,
um die Nebenwirkungen dieser Medikamente gering zu halten.
Dosierung
und Art der Anwendung von Corticosteroiden
Corticosteroide können systemisch angewendet werden, indem
sie als Tabletten geschluckt werden oder in eine Vene gespritzt
werden, und sie können örtlich angewandt werden, z.
B. indem sie in ein Gelenk gespritzt oder auf die Haut aufgetragen
werden bzw. in den Bindehautsack eingeträufelt werden.
Die Dosis und die Art der Anwendung werden in Abhängigkeit
von der zu behandelnden Erkrankung ausgewählt und in Abhängigkeit
von der Schwere der Erkrankung des Patienten. Höhere Dosen,
besonders wenn sie gespritzt werden, sind sehr wirksam und schnellwirkend.
Tabletten sind in verschiedenen Dosen vorhanden. Meist wird
Prednison oder Prednisolon eingesetzt. Es gibt keine allgemein
akzeptierten Regeln für die Dosierung der Steroide oder
die Häufigkeit der Anwendung. Wenn das Medikament nur 1
x am Tag, meist morgens, oder nur jeden 2. Tag gegeben wird,
treten weniger Nebenwirkungen auf, aber die Wirkung ist auch
schwächer, als wenn die tägliche Dosis auf mehrere
Dosen verteilt wird, was manchmal zur Kontrolle der Erkrankung
notwendig ist. Bei sehr schweren Erkrankungen wird eventuell
hochdosiertes Methylprednisolon als intravenöse Infusion
in die Vene gespritzt, meist 1 x am Tag für mehrere aufeinander
folgende Tage. Wenn die Aufnahme über den Darm problematisch
ist, werden eventuell auch geringere Dosen in die Vene gespritzt.
Bei manchen Gelenksentzündungen ist die Einspritzung langsam
wirkender (Depot-) Corticosteroide in das entzündete Gelenk
(intraartikulär) die Therapie der Wahl. Diese Corticosteroide
(gewöhnlich Triamzinolon-Hexacetonid oder Acetonid) sind
an kleine Kristalle gebunden, die nach der Einspritzung in das
Gelenk die Wand der Gelenkhülle auskleiden und das Corticosteroid
über eine längere Zeit freisetzen, wodurch ein langwirksamer
entzündungshemmender Effekt auftritt.
Die Wirksamkeit
dieser Therapie ist bei einzelnen Patienten unterschiedlich,
von wenigen Wochen bis zu vielen Monaten. Eines oder mehrere
Gelenke können während einer Sitzung behandelt werden
durch individuelle Kombination von örtlichen Schmerzmitteln,
Sedierung (Midazolam) oder Allgemeinanästhesie. Die Wahl
der Anästhesie ist abhängig von der Anzahl der zu
behandelnden Gelenke, von der Zugänglichkeit des Gelenkes
und vom Alter des Patienten.
Nebenwirkungen
der Corticosteroide
Es gibt 2 Hauptnebenwirkungen der Corticosteroide: die Nebenwirkungen,
die durch eine langfristige Gabe hoher Dosen auftreten und die
Nebenwirkungen, die durch eine Beendigung der Therapie auftreten
können. Wenn Corticosteroide langfristig für mehr
als 1 Monat genommen werden, dürfen sie nicht plötzlich
abgesetzt werden, weil dies zu großen Problemen führen
kann. Diese Probleme treten dadurch auf, dass der Körper,
gewohnt an die Zuführung der Corticosteroide von außen,
seine eigene Steroidproduktion eingestellt hat und diese nicht
sehr rasch wieder aufnehmen kann.
Sowohl die Wirksamkeit als auch die Art und die Schwere der
Nebenwirkungen der Corticosteroide sind vom individuellen Patienten
abhängig und schwer vorherzusagen. Die Nebenwirkungen sind
abhängig von der Dosis und der Art der Anwendung, d. h.
die gleiche Gesamtdosis hat mehr Nebenwirkungen, wenn sie in
verteilten Dosen über den Tag gegeben wird, als wenn sie
in einer morgendlichen Dosis gegeben wird. Die wichtigste sichtbare
Nebenwirkung ist die durch den verstärkten Hunger herbeigeführte
Gewichtszunahme, besonders im Gesicht und am Rumpf, was zu Schwangerschaftsstreifen
auf der Haut führen kann. Es ist schwer, die Gewichtszunahme
zu kontrollieren, auch wenn man eine balancierte Diät durchführt,
die wenig Fett und Zucker enthält und viele Ballaststoffe.
Weitere Nebenwirkungen sind Akne im Gesicht, die durch eine
örtliche Behandlung gebessert werden kann. Nicht selten
treten Veränderungen der Stimmung auf mit Schlaflosigkeit
und Zittrigkeit. Unter einer langwirksamen Corticosteroid-Therapie
ist das Längenwachstum unterdrückt. Auch die Abwehr
gegen Infektionen kann verändert sein, so dass es zu häufigeren
und schwereren Infektionen kommt, abhängig vom Ausmaß
der Immunsuppression. Besonders Windpocken können beim
immunsupprimierten Kind schwer verlaufen, weshalb es wichtig
ist, dass sie ihren Arzt sofort verständigen, wenn ihr
Kind die ersten Anzeichen von Windpocken entwickelt oder wenn
sie erfahren, dass ihr Kind in engem Kontakt mit jemandem war,
der Windpocken entwickelte.
Wenn diese Situation eintritt, können Antikörper gegen
Windpocken oder Medikamente gegen das Virus gegeben werden.
Die meisten der stillen Nebenwirkungen der Corticosteroide werden
erst sichtbar, wenn der Patient während der Behandlung
genau untersucht wird. Diese beinhalten auch den Verlust an
Knochenmineralien, wodurch der Knochen weicher wird und leichter
bricht (Osteoporose). Die Osteoporose kann nachgewiesen werden
durch eine spezielle Technik, die Densitometrie heißt.
Man nimmt an, dass es sinnvoll sein könnte, zusätzlich
Calcium (1000 mg tgl.) und Vitamin D zu geben, um die Osteoporose
zu vermindern.
Nebenwirkungen am Auge umfassen Grauen Star (Katarakt) und Grünen
Star (erhöhten Druck im Auge, Glaukom). Wenn der Blutdruck
erhöht ist, sollten die Salze in der Nahrung vermindert
werden. Der Blutzucker kann ansteigen, wodurch es zu einem Corticosteroid-bedingten
Diabetes mellitus kommen kann, weshalb die Nahrung wenig Zucker
und Fett enthalten sollte.
Azathioprin
Azathioprin ist ein Medikament, das die Abwehrkraft schwächt.
Es wirkt, indem es in die Herstellung von DNA eingreift, ein
Prozess, der für alle Zellen wichtig ist, um sich teilen
zu können. Azathioprin hemmt die Immunfunktion, indem es
das Wachstum einer Art von weißen Zellen im Blut behindert.
Diese Zellen heißen Lymphozyten. Es wird als Tabletten
angewandt. Obwohl es besser verträglich ist als Cyclophosphamid,
muss die Gabe wegen möglicher Nebenwirkungen genau untersucht
werden. Es können Schäden am Magen-Darmtrakt sowie
Geschwüre im Mund, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
und Magenschmerzen auftreten. Auch Schäden an der Leber
können auftreten, sind aber selten. Eine Verminderung der
Anzahl der kreisenden weißen Blutzellen (Leukopenie) kann
auftreten und ist abhängig von der Dosis. Seltener tritt
eine Verminderung der Blutplättchen oder der roten Blutzellen
auf.
Theoretisch könnte die langfristige Verordnung von Azathioprin
mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen, entsprechende
Beweise fehlen aber bisher. Wie bei anderen immunsuppressiven
Medikamenten kann die Behandlung den Patienten einem erhöhten
Risiko einer Infektion aussetzen. Herpes zoster ist häufiger
bei Patienten mit Azathioprin-Behandlung.
Cyclophosphamid
Cyclophosphamid ist ein immunsuppressives Medikament, das die
Entzündung vermindert und das Abwehrsystem unterdrückt.
Es wirkt, indem es die Vermehrung von Zellen stört, indem
die DNA-Herstellung verändert wird, weshalb es besonders
aktiv wirkt auf Blutzellen, Haarwurzelzellen und die Zellen
des Magen-Darmtraktes. Alle diese Zellen vermehren sich sehr
schnell und müssen deshalb ständig neue DNA herstellen.
Besondere weiße Zellen, die Lymphozyten heißen,
werden stark beeinträchtigt durch Cyclophosphamid und die
Veränderung ihrer Funktion und ihrer Zahl erklärt
die Wirkung von Cyclophosphamid.
Ursprünglich ist das Medikament eingeführt worden,
um bestimmte Arten von Krebs zu behandeln. Bei rheumatischen
Erkrankungen wird es häufig in einer Stopdosis mit langen
Pausen gegeben, z. B. 1 x monatlich. In dieser Gabe hat es deutlich
weniger Nebenwirkungen als bei Krebspatienten.
Cyclophosphamid wird oral oder intravenös gegeben. In der
letzteren Anwendungs-form werden gewöhnlich große
Dosen intravenös alle 4 Wochen gegeben. Cyclophosphamid
ist ein Medikament, das die Abwehr deutlich vermindert und das
viele Nebenwirkungen hat, die eine genaue Überwachung erfordern.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen.
Es kann auch zum Haarausfall kommen. Eine ausgeprägte Verminderung
der Anzahl der im Blut kreisenden weißen Blutzellen oder
der Blutplättchen kann auftreten und zur Dosisanpassung
oder zum vorübergehenden Absetzen des Medikamentes führen.
Blasenveränderungen zeigen sich durch Blut im Urin und
können auftreten, sind aber viel seltener, wenn das Medikament
täglich geschluckt wird, als bei der monatlichen intravenösen
Anwendung. Um dieses Problem zu verhindern, sollte der Patient
viel trinken. Bei einer langfristigen Behandlung kann die Fruchtbarkeit
eingeschränkt sein und die Gefahr von Krebs zunehmen. Das
Risiko dieser beiden Komplikationen hängt von der Gesamtdosis
ab, die der Patient über mehrere Jahre eingenommen hat.
Cyclophosphamid vermindert die Abwehr und erhöht daher
das Risiko der Infektion, insbesondere wenn es zusammen mit
anderen Medikamenten gegeben wird, die die Immunfunktion beeinträchtigen.
Methotrexat
Methotrexat (MTX) ist ein Medikament, das bei Kindern mit einer
ganzen Reihe unterschiedlicher Erkrankungen bereits seit vielen
Jahren gegeben worden ist. Ursprünglich wurde es als Medikament
gegen Krebs entwickelt, da es die Teilungsrate (Proliferation)
von Zellen vermindern konnte. Diese Wirkung tritt jedoch offenbar
nur bei höheren Dosen auf. Bei niedrigeren Dosen, wie sie
bei rheumatischen Erkrankungen verwandt werden, wirkt Methotrexat
entzündungs-hemmend durch andere Mechanismen. Bei diesen
niedrigeren Dosen beobachtet man die Mehrzahl der Nebenwirkungen
hoher Dosen nicht mehr.
Methotrexat liegt als Tabletten vor oder zur Injektion. Es wird
nur 1 x pro Woche gegeben, und zwar immer am gleichen Tag der
Woche. Die Art der Anwendung und die Dosis müssen vom Arzt
in Abhängigkeit von dem Zustand des individuellen Patienten
festgelegt werden. Tabletten werden eventuell besser aufgenommen,
wenn sie vor der Mahlzeit mit Wasser eingenommen werden. Injektionen
können direkt unter die Haut wie Insulineinspritzungen
beim Diabetes vorgenommen werden, sie können aber auch
in die Vene oder den Muskel erfolgen. Injektionen haben den
Vorteil der besseren Aufnahme und meist auch geringerer Magennebenwirkungen.
Die Therapie mit MTX ist normalerweise langfristige. Die meisten
Ärzte empfehlen, die Behandlung für 6 bis 12 Monate
fortzusetzen, nachdem die Erkrankung kontrolliert ist. Die meisten
Kinder mit Methotrexat haben sehr wenige Nebenwirkungen, dazu
gehören Übelkeit und Magenprobleme. Diese können
dadurch gebessert werden, dass das Medikament vor dem Schlafengehen
eingenommen wird.
Ein Vitamin, das Folsäure heißt, wird oft verschrieben,
um diese Nebenwirkungen zu verhindern. Manchmal können
die Magennebenwirkungen vermieden werden, indem man Reisetabletten
vor und nach der Methotrexatgabe nimmt oder indem man von der
Tablettengabe zur Einspritzung unter die Haut übergeht.
Andere mögliche Nebenwirkungen sind Geschwüre im Mund
und selten ein Hautausschlag. Husten und Atemprobleme sind sehr
seltene Nebenwirkungen bei Kindern. Wirkungen auf die Anzahl
der Blutzellen sind, wenn überhaupt, sehr leicht. Ein langfristiger
Schaden der Leber (Fibrose) ist offensichtlich sehr selten bei
Kindern, insbesondere weil andere, die Leber schädigende
Faktoren wie Alkohol bei Kindern nicht vorhanden sind.
Gewöhnlich wird die Therapie mit Methotrexat unterbrochen,
wenn Leberenzyme ansteigen. Die Behandlung mit dem Medikament
wird wieder aufgenommen, wenn diese Fermente abgefallen sind.
Deshalb sind regelmäßige Blutuntersuchungen während
einer Therapie mit Methotrexat notwendig. Obwohl das Risiko
einer Infektion gewöhnlich nicht erhöht ist, wenn
Kinder mit Methotrexat behandelt werden, können einzelne
Infektionen schwerer verlaufen. Zu diesen Infektionen gehört
die Infektion mit Windpocken oder Herpes zoster. Wenn ihr Kind
noch keine Windpocken hatte, aber in Kontakt gerät mit
jemandem, der Windpocken hat oder bei dem Windpocken wenig später
ausgebrochen sind, sollten Sie ihren Arzt sofort anrufen, da
besondere Medikamente gegeben werden müssen. Wenn Sie sich
nicht sicher sind, ob ihr Kind Windpocken hatte, bevor die Therapie
mit Methotrexat begonnen wurde, dann kann die Abwehrkraft gegen
Varizella zoster Virus im Blut untersucht werden. Wenn ihr Kind
ein Teenager ist, gibt es noch weitere bedeutsame Überlegungen.
Dazu gehört, dass die Einnahme von Alkohol völlig
untersagt sein sollte, da dies zu einer verstärkten Schädigung
der Leber durch MTX führen kann. MTX kann auch ein ungeborenes
Kind schädigen, so dass es sehr wichtig ist, dass eine
Schwangerschaftsverhütung betrieben wird, wenn Methotrexat
von sexuell aktiven Jugendlichen genommen wird.
Hydroxychloroquine
Hydroxychloroquine wurde ursprünglich zur Behandlung der
Malaria eingesetzt. Es hat sich gezeigt, dass es mehrere Entzündungsprozesse
unterbrechen kann.
Es wird 1 x tgl. als Tabletten gegeben. Gewöhnlich wird
das Medikament sehr gut vertragen. Gelegentlich kann eine Magen-Darmunverträglichkeit
eintreten, meist leichte Übelkeit. Die Hauptsorge gilt
einer möglichen Schädigung des Auges. Hydroxychloroquine
sammelt sich in einem Teil des Auges an, der Retina heißt,
und bleibt dort für lange Zeit, nachdem es bereits abgesetzt
worden ist. Diese Veränderungen sind selten, können
aber zur Blindheit führen, selbst nachdem die Gabe des
Medikamentes beendet worden ist. Jedoch ist dieses Augenproblem
sehr selten bei den niedrigen Dosen, die zurzeit verwandt werden.
Eine frühzeitige Entdeckung dieser Komplikation verhindert
einen Verlust der Sehkraft, wenn dies Medikament dann abgesetzt
wird. Regelmäßige Augenuntersuchungen sind deswegen
notwendig, obwohl der Bedarf an diesen Augenuntersuchungen und
ihrer Häufigkeit bei rheumatischen Erkrankungen in Zweifel
gezogen worden ist.
Sulfasalazin
Sulfasalazin besteht aus einer Kombination eines Medikamentes
gegen Bakterien und eines Entzündungshemmers. Es ist vor
vielen Jahren hergestellt worden, als man der Ansicht war, dass
das Erwachsenenrheuma eine Infektionskrankheit sei. Obwohl sich
bald herausstellte, dass der ursprüngliche Grund der Herstellung
dieses Medikamentes falsch war, konnte gezeigt werden, das Sulfasalazin
wirksam ist in der Bekämpfung einzelner Formen von Gelenkentzündungen
und bei einer Gruppe von Erkrankungen, die mit einer chronischen
Darmentzündung einhergehen. Sulfasalazin wird als Tabletten
gegeben. Nebenwirkungen sind nicht selten und erfordern eine
regelmäßige Blutuntersuchung. Dazu gehören Probleme
des Magen-Darmtraktes (Anorexie, Übelkeit, Durchfall und
Erbrechen), Allergien mit Hautausschlag, Leberschädigung
mit erhöhten Transaminasen, verminderte Zahl von kreisenden
weißen Zellen und Abnahme der Immunglobulinkonzentration.
Das Medikament sollte nicht eingesetzt werden bei Patienten
mit kindlichem Rheuma mit systemischem Beginn oder bei Patienten
mit systemischem Lupus erythematodes, weil diese Medikamente
einen schweren Rückfall auslösen können.
Colchicin
Colchicin ist bereits seit Jahrhunderten bekannt. Es ist abgeleitet
von getrockneten Samen von Colchicum, eine blühende Pflanze
aus der Familie der Nachtschatten-gewächse. Es blockiert
die Funktion und die Vermehrung weißer Zellen und auf
diese Art die Entzündung.
Es wird als Tabletten verabreicht. Die meisten Nebenwirkungen
beziehen sich auf den Magen-Darmtrakt. Durchfall, Übelkeit,
Erbrechen und gelegentliche Bauchkrämpfe können sich
bessern, wenn die Nahrung keine Laktose enthält. Diese
Nebenwirkungen bessern sich gewöhnlich, wenn die Dosis
vermindert wird. Nachdem diese Nebenwirkungen verschwunden sind,
sollte man versuchen, allmählich die Dosis wieder auf den
ursprünglichen Level zu heben. Wegen der Möglichkeit
der Verminderung von Blutzellen sollten gelegentlich Kontrollen
erfolgen. Muskelschwäche kann am Anfang bei Patienten mit
vorbestehenden Nieren- oder Leberproblemen gesehen werden. Es
kommt zu einer raschen Wiederherstellung, sobald das Medikament
abgesetzt wurde. Eine andere seltene Nebenwirkung ist die Veränderung
der peripheren Nerven und in diesen Fällen kann die Wiederherstellung
langsamer sein.
Hautausschlag und Haarausfall werden gelegentlich beobachtet.
Schwere Nebenwirkungen können auftreten, wenn hohe Dosen
eingenommen wurden. Die Behandlung der Vergiftung mit Colchicin
erfordert ein medizinisches Eingreifen. Eine allmähliche
Wiederherstellung wird meist beobachtet, aber manchmal kann
die Vergiftung tödlich sein. Eltern sollten sehr genau
aufpassen, dass das Medikament nicht in Reichweite kleiner Kinder
kommt. Die Behandlung mit Colchicin beim familiären Mittelmeerfieber
wird auch während der Schwangerschaft fortgesetzt. Wenn
es zusätzliche Risikofaktoren gibt, sollte eine Amniozentese
(Fruchtwasser-untersuchung) im Alter von 3 – 4 Monaten
erfolgen.
TNF-Blocker
Tumornekrosefaktor (TNF) ist ein Molekül, das eine wichtige
Rolle im Entzündungs-prozess spielt. Dank moderner Biotechnologie
konnten mehrere Arten von Substanzen hergestellt werden, die
speziell TNF blockieren. Dazu gehören Antikörper gegen
TNF (Infliximab und Adalimumab) und TNF-Rezeptorblocker (Etanercept).
Etanercept wird angewandt als subkutane Einspritzung. Patienten
und Familienmitglieder können angeleitet werden, diese
Injektionen selber durchzuführen, ebenso wie Patienten
mit Diabetes mellitus ausgebildet werden. Örtliche Reaktionen
wie rote Flecken, Schwellung und Jucken an der Einspritzstelle
können auftreten, sind jedoch meist von kurzer Dauer und
leichter Schwere. Infliximab wird im Krankenhaus intravenös
verabreicht. Während der Infusion können allergische
Reaktionen auftreten, die sehr milde sein können (Atemnot,
Hautausschlag, Jucken), die leicht zu behandeln sind, es können
aber auch sehr schwere allergische Reaktionen mit vermindertem
Blutdruck und dem Risiko für einen Schock auftreten. Diese
allergischen Reaktionen treten meist erst nach der ersten Infusion
auf und sind Folge einer Immunantwort gegen einen Teil des Moleküls,
das noch von der Maus stammt. Wenn eine allergische Reaktion
auftritt, muss das Medikament abgesetzt werden. Adalimumab ist
ähnlich wie Infliximab ein Antikörper, es hat jedoch
keinen Mausanteil mehr. Es wird ebenfalls durch subkutane Einspritzung
gegeben. Alle diese Medikamente sind hochwirksam antientzündlich
und überdauern diesen Effekt solange, wie sie angewandt
werden. Nebenwirkungen betreffen besonders eine erhöhte
Empfänglichkeit für Infektionen, besonders für
Tuberkulose. Falls eine schwerwiegende Infektion auftritt, sollte
das Medikament abgesetzt werden. In einigen seltenen Fällen
war die Behandlung verbunden mit der Entwicklung einer anderen
Autoimmunerkrankung. Es gibt bisher keinen Hinweis, dass diese
Behandlung die Häufigkeit von Krebs erhöhen könnte.
Da die Erfahrung mit TNF-Blockern noch jung ist, gibt es bisher
keine wirklichen Langzeitnachunter-suchungen. Diese Therapien
werden häufig als sogenannte biologische Behandlungen bezeichnet,
weil die Medikamente durch Biotechnologien ähnlich dem
„Genetic engineering“ hergestellt werden. Es gibt
weitere ähnliche Medikamente wie z. B. Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten
und Interleukin-6-Antikörper, Medikamente, die bereits
bei einigen anderen Erkrankungen ausprobiert wurden. Alle biologischen
Wirkstoffe sind sehr teuer.