JUVENILE
IDIOPATHISCHE ARTHRITIS
Was
ist das?
Die juvenile idiopathische Arthritis ist eine chronische Erkrankung,
die durch eine fortbestehende Gelenkentzündung bedingt ist.
Die typischen Zeichen der Gelenkentzündung sind Schmerz,
Schwellung und Bewegungseinschränkung. „Idiopathisch“
bedeutet, dass wir die Ursache der Erkrankung nicht kennen und
„juvenil“ bedeutet in diesem Fall, dass der Beginn
der Beschwerden vor dem 16. Lebensjahr liegt.
Was
bedeutet chronische Erkrankung?
Man nennt eine Erkrankung chronisch, wenn die richtige Behandlung
nicht zu einer sofortigen Wiederherstellung führt, sondern
nur zu einer Besserung der Beschwerden und der Laborwerte. Dies
bedeutet auch, dass es nicht möglich ist, zu sagen, wie lange
das Kind krank sein wird, wenn die Diagnose gestellt wurde.
Wie
häufig ist die Erkrankung?
Die juvenile idiopathische Arthritis ist eine seltene Erkrankung,
die pro Jahr etwa 80-90 Kinder unter 100.000 Kindern betrifft.
Was
sind die Ursachen der Erkrankung?
Unser Immunsystem schützt uns vor dem Angriff von Infektionserregern
wie Viren und Bakterien. Dazu muss das Abwehrsystem in der Lage
sein, zwischen selbst und fremd, also möglicherweise gefährlich,
zu unterscheiden, um so gefährliche Eindringlinge zu zerstören.
Man glaubt, dass die chronische Gelenkentzündung eine Folge
einer fehlgeleiteten Antwort des Abwehrsystems ist, der Grund
dieser Fehlleitung ist jedoch unbekannt. Aber offensichtlich verliert
das Abwehrsystem zum Teil die Fähigkeit, zwischen fremd und
selbst zu unterscheiden und greift nun Bestandteile des eigenen
Gelenkes an.
Aus diesem Grunde werden Erkrankungen wie die juvenile idiopathische
Arthritis auch „autoimmun“ genannt, was bedeutet,
dass das Abwehrsystem gegen die Organe des eigenen Körpers
vorgeht.
Jedoch ist der genaue Mechanismus, der zur juvenilen idiopathischen
Arthritis führt, ebenso unbekannt wie bei den meisten anderen
chronisch entzündlichen Erkrankungen des Menschen.
Ist
es eine Erbkrankheit?
Die juvenile idiopathische Arthritis ist keine Erbkrankheit, denn
sie kann nicht direkt übertragen werden von Eltern auf ihre
Kinder. Trotzdem gibt es einige Erbfaktoren, die zur Krankheitsentstehung
beitragen, die meisten dieser Faktoren sind jedoch noch nicht
bekannt. Die Übereinstimmung der Wissenschaftler lautet,
dass die Erkrankung durch viele Faktoren hervorgerufen wird, d.
h. dass die Erkrankung das Ergebnis eines Zusammenwirkens von
Erbfaktoren und Umweltfaktoren darstellt. Letztere Faktoren könnten
auch Infektionserreger sein. Auch wenn der Beitrag von Erbfaktoren
sicher ist, geschieht es sehr selten, dass eine Familie 2 betroffene
Kinder hat.
Wie
wird die Erkrankung diagnostiziert?
Die Ärzte nennen die Erkrankung juvenile idiopathische Arthritis,
wenn der Beginn der Erkrankung vor dem 16. Lebensalter liegt,
die Gelenkentzündung mindestens 6 Wochen ununterbrochen bestanden
hat und wenn die Ursache der Gelenkentzündung unbekannt bleibt.
Die 6 Wochen-Grenze soll vorübergehende Gelenkentzündungen
z. B. nach Virusinfektionen abgrenzen. Die unbekannte Ursache
bedeutet, dass alle anderen Erkrankungen, die auch zu einer Gelenkentzündung
führen, ausgeschlossen werden müssen.
In anderen Worten bedeutet dies, dass der Begriff juvenile idiopathische
Arthritis alle Arten der fortdauernden Gelenkentzündung unbekannter
Ursache einschließt, die in der Kindheit beginnen. Unter
dem Oberbegriff idiopathische Arthritis finden sich verschiedene
Formen der Gelenkentzündung, die weiter unten erklärt
werden.
Die Diagnose der juvenilen idiopathischen Arthritis beruht daher
auf dem Vorhandensein einer Gelenkentzündung, die fortbesteht,
und auf dem sorgfältigen Ausschluß anderer Erkrankungen
durch die Erhebung der Vorgeschichte, die körperliche Untersuchung
und Laborteste.
Was
geschieht in den Gelenken?
Die Gelenkinnenhaut, die das Gelenk umgibt, ist gewöhnlich
sehr dünn. Sie verdickt sich und enthält viele Entzündungszellen,
wenn die juvenile idiopathische Arthritis ausbricht. Dabei kommt
es dann auch zu einer Zunahme der Gelenkflüssigkeit. Dies
wiederum führt zu Schwellung, Schmerzen und Bewegungseinschränkung.
Ein typisches Zeichen der Gelenkentzündung ist die Gelenksteifigkeit,
die nach längerer Ruhe auftritt. Deshalb ist sie besonders
ausgeprägt am Morgen beim Aufstehen zu finden (Morgensteifigkeit).
Das Kind versucht oft, die Gelenkschmerzen zu vermindern, in dem
es das Gelenk in einer Stellung hält, die in der Mitte zwischen
Beugung und Streckung liegt. Diese Stellung heißt Ruhestellung,
um auszudrücken, dass in dieser Stellung die Schmerzen am
geringsten sind.
Wenn die Gelenkentzündung nicht gut behandelt wird, kann
sie zum Gelenkschaden auf zwei Arten führen:
1)Die Gelenkinnenhaut kann sehr dick werden mit der Bildung eines
aggressiven Bindegewebes, das dann durch die Freisetzung verschiedener
Substanzen die Zerstörung des Gelenkknorpels und des Knochens
bewirken.
2)Die fortbestehende Einhaltung der Ruheposition mit mangelnder
Bewegung und Belastung des Gelenkes führt zum Muskelabbau
und zur Verkürzung von Bändern und Sehnen, was wiederum
zu einer Verminderung des Bewegungsumfanges und zu einer Fehlstellung
z. B. in teilweiser Beugung führt.
Gibt
es unterschiedliche Typen der Erkrankung?
Es gibt verschiedene Formen der juvenilen idiopathischen Arthritis.
Sie unterscheiden sich darin, ob Allgemeinerscheinungen wie Fieber,
Hautausschlag, Organvergrößerung und Herzbeutelentzündung
vorhanden sind, man spricht dann von systemischer juveniler idiopathischer
Arthritis. Weiter unterscheidet man verschiedene je nach der Anzahl
der betroffenen Gelenke. Bei der „Oligoarthritis“
sind wenige und bei der „Polyarthritis“ sind viele
Gelenke betroffen. Man hat sich geeinigt, dass man die verschiedenen
Formen der juvenilen idiopathischen Arthritis anhand der Krankheitserscheinungen
während der ersten 6 Krankheitsmonate benennt. Man spricht
hier auch von Beginnformen der Erkrankung. Im folgenden werden
mehrere Formen der JIA dargestellt.
Systemische
idiopathische Arthritis.
Diese Form zeichnet sich durch das Vorhandensein von Allgemeinerscheinungen
aus und durch den Befall von Organen zusätzlich zur Gelenkentzündung.
Das wichtigste Allgemeinsymptom ist das hohe, hektisch genannte
Fieber, das häufig von einem Hautausschlag begleitet ist,
der hellrot imponiert, ähnlich wie Lachsfleisch. Weitere
Erscheinungen können Muskelschmerzen, die Vergrößerung
von Leber, Milz oder Lymphknoten und eine Herzbeutelentzündung
sowie eine Rippenfellentzündung sein. Die Gelenkentzündung
kann polyarticulär (also 5 oder mehr Gelenke) oder oligoarticulär
(also 4 oder weniger Gelenke betroffen) sein. Die Gelenkentzündung
kann schon bei Beginn der Erkrankung vorhanden sein, häufig
erscheint sie aber erst später. Die Erkrankung kann Kinder
in jedem Lebensalter betreffen.
Bei etwa der Hälfte der Patienten kommt es nicht zur Ausbildung
von Gelenkentzündungen, bei diesen Patienten verschwinden
die Allgemeinsymptome wieder. Bei der anderen Hälfte der
Patienten treten die Gelenkentzündungen auf, die bei zunehmender
Verminderung der Allgemeinsymptome immer bedeutender werden. Bei
einer Minderheit dieser Patienten bleiben die Allgemeinerscheinungen
bestehen. Die systemische Form der juvenilen idiopathischen Arthritis
macht weniger als 10 % aller Fälle von juveniler idiopathischer
Arthritis aus. Sie ist eine typische Erkrankung des Kindesalters
und kommt selten bei Erwachsenen vor.
Polyarticuläre
juvenile idiopathische Arthritis.
Diese Form zeichnet sich durch eine Gelenkentzündung in mindestens
5 Gelenken während der ersten 6 Monate aus. Zusätzlich
dürfen keine Allgemeinsymptome vorhanden sein. Je nach dem,
ob der Rheumafaktor vorhanden ist, unterscheidet man eine Rheumafaktor
positive und eine Rheumafaktor negative Form der juvenilen idiopathischen
Polyarthritis. Der Rheumafaktor ist ein Eiweißkörper,
der gegen den eigenen Körper reagiert, also ein Autoantikörper
ist.
1)Rheumafaktor positive polyarticuläre juvenile idiopathische
Arthritis. Diese Form ist im Kindesalter selten, deutlich weniger
als 5 % aller Fälle mit juveniler idiopathischer Arthritis.
Man nimmt an, dass diese Erkrankung der Rheumafaktor positiven
rheumatoiden Arthritis des Erwachsenen entspricht. Die rheumatoide
Arthritis ist die häufigste chronisch entzündliche Gelenkerkrankung
des Erwachsenen. Häufig findet sich eine symmetrische Gelenkentzündung,
die anfangs insbesondere die kleinen Gelenke von Händen und
Füßen betrifft und sich dann ausdehnt. Die Erkrankung
ist häufiger bei Frauen und beginnt meist nach dem 10. Lebensjahr.
Häufig ist es eine schwer verlaufende Gelenkentzündung.
2)Die Rheumafaktor negative polyarticuläre juvenile idiopathische
Arthritis macht etwa 15-20 % aller Fälle von juveniler idiopathischer
Arthritis aus. Möglicherweise handelt es sich hier um verschiedene
Verlaufsformen, die zu dieser Untergruppe zusammen gefasst wurden.
Die Erkrankung kann jederzeit im Kindesalter auftreten. Die Prognose,
also die Erwartung, wie die Erkrankung ausgehen wird, ist unterschiedlich.
Oligoarticuläre
juvenile idiopathische Arthritis.
Diese Form zeichnet sich durch die Gegenwart von weniger als 5
betroffenen Gelenken während der ersten 6 Monate aus und
es bestehen keine Allgemeinerscheinungen. Die Erkrankung betrifft
häufig große Gelenke wie z. B. Knie und Sprunggelenke
in asymmetrischer Form. Manchmal ist auch nur ein Gelenk betroffen,
man spricht dann von Monarthritis. Bei einigen Patienten nimmt
die Anzahl der Gelenke nach den ersten 6 Monaten der Erkrankung
zu, man spricht dann von „extended oligoarthritis“,
was ausgedehnte Oligoarthritis bedeutet. Die Oligoarthritis beginnt
häufig vor dem 6. Lebensjahr und betrifft besonders Mädchen.
Mit einer entsprechenden Behandlung kommt es häufig zu einem
Rückgang der Gelenkentzündung, wenn die Erkrankung auf
wenige Gelenke beschränkt bleibt. Die Krankheitserwartung
verschlechtert sich, wenn es zu einer Ausdehnung des Gelenkbefalls
kommt.
Nicht wenige Patienten entwickeln eine bedeutsame Augenbeteiligung,
eine Entzündung des vorderen Teiles der Gefäßhaut
des Auges, Uveitis anterior genannt. In diesem Bereich befindet
sich die Regenbogenhaut und der sog. Ciliarkörper, die Entzündung
dieser Strukturen heißt auch chronische Iridocyclitis.
Wenn diese Erkrankung nicht erkannt und entsprechend behandelt
wird, kann die chronische Iridocyclitis fortschreiten und schwere
Schäden am Auge setzen. Deshalb ist die frühzeitige
Erkennung dieser Komplikation von größter Bedeutung.
Die Iridocyclitis wird normalerweise nicht von den Eltern oder
dem Arzt bemerkt, weil das Auge im Gegensatz zu anderen Entzündungen
nicht rot wird und das Kind sich nicht über verschlechtertes
Sehen beklagt. Deshalb müssen Kinder mit einem hohen Risiko
dieser Erkrankung regelmäßig vom Augenarzt untersucht
werden und zwar anhand der Spaltlampe, einem besonderen Instrument,
mit dem die Iridocyclitis erkannt werden kann.
Die Oligoarthritis ist die häufigste Form der juvenilen idiopathischen
Arthritis und macht etwa 50 % der Fälle aus. Die Form der
Oligoarthritis, die mit einer chronischen Iridocyclitis einher
geht und bei der sich ANA finden (siehe Laborteste) ist eine typische
Erkrankung des Kindesalters.
Psoriasis-Arthritis.
Diese Form der Erkrankung zeichnet sich aus durch das gleichzeitige
Vorhandensein von Gelenkentzündung und Psoriasis (Schuppenflechte)
oder Erscheinungen, die zur Schuppenflechte gehören. Die
Psoriasis ist eine Hauterkrankung mit Bereichen entzündeter
schuppender Haut z. B. über den Ellenbogen und Knien. Die
Hauterkrankung kann der Gelenkerkrankung vorausgehen oder folgen.
Die weiteren klinischen Erscheinungen und die Prognose sind unterschiedlich.
Gelenkentzündung
verbunden mit Entzündung der Sehnenansätze.
Die häufigste Form dieser Untergruppe ist eine Oligoarthritis,
die überwiegend die großen Gelenke der Beine betrifft.
Zusätzlich findet sich eine Entzündung der Sehnenansätze,
Enthesitis genannt. Der häufigste Ort dieser Schmerzen findet
sich am Fuß, hinter und unter der Ferse. Manchmal haben
diese Patienten auch eine Iridocyclitis, die aber akut auftritt
und im Gegensatz zur chronischen Iridocyclitis mit einem geröteten
Auge, verstärkter Tränenbildung und Lichtempfindlichkeit
einher geht. Die meisten Patienten tragen ein Merkmal, das HLA
B27 genannt wird und im Labor bestimmt werden kann. Die Erkrankung
betrifft besonders Jungen und beginnt häufig erst nach dem
7. bis 8. Lebensjahr. Der Verlauf ist unterschiedlich. Bei einigen
Patienten verschwindet die Erkrankung, während sie sich bei
anderen ausdehnt und auch die Wirbelsäule betrifft. Dabei
kann auch ein Gelenk mit dem Namen Sacroiliacalgelenk betroffen
sein, das sich am Übergang der Wirbelsäule zum Becken
findet. Diese Form der Gelenkentzündung gehört zu einer
Gruppe von Erkrankungen, die sehr häufig bei Erwachsenen
sind und Spondylarthropathien genannt werden, weil sie die Wirbelsäule
betreffen können.
Was
ruft eine chronische Iridocyclitis vor, gibt es einen Zusammenhang
mit der Gelenkentzündung?
Wie bei der Gelenkentzündung ist auch die Augenentzündung
durch eine fehlgeleitete Reaktion des Abwehrsystems diesmal gegen
das Auge bedingt (Autoimmunreaktion). Der genaue Mechanismus ist
jedoch unbekannt.
Diese Komplikation wird meist beobachtet bei Patienten mit Oligoarthritis
und jüngerem Lebensalter sowie einem positiven Labortest,
der ANA heißt, was antinucleäre Antikörper bedeutet.
Die Gründe für die Verbindung von Augen- und Gelenkerkrankung
sind unbekannt. Jedoch ist es wichtig, zu berücksichtigen,
dass Augen- und Gelenkerkrankung unabhängig voneinander verlaufen
können, so dass die regelmäßige Spaltlampenuntersuchung
fortgeführt werden muss, auch wenn die Gelenkentzündung
verschwunden ist. Der Verlauf der Augenentzündung zeichnet
sich durch immer wieder auftretende Verschlechterungen aus, die
unabhängig vom Verlauf der Gelenkerkrankung sind.
Meistens folgt die chronische Iridocyclitis dem Beginn der Gelenkentzündung,
sie kann jedoch auch gleichzeitig entdeckt werden. Nur sehr selten
geht sie dem Beginn einer Gelenkentzündung voraus: Diese
Fälle können ungünstig verlaufen, da die Erkrankung
nicht bemerkt wird bzw. erst bemerkt wird, wenn eine starke Schädigung
bereits eingetreten ist.
Ist
die Erkrankung bei Kindern unterschiedlich von der Erkrankung
bei Erwachsenen?
In den meisten Fällen ja. Die polyarticuläre Rheumafaktor
positive Form, die bei Erwachsenen etwa 70 % der rheumatoiden
Arthritis ausmacht, findet sich bei Kindern und Jugendlichen in
weniger als 5 % der Fälle mit juveniler idiopathischer Arthritis.
Die oligoarticuläre Form mit frühem Beginn macht etwa
50 % der Fälle von juveniler idiopathischer Arthritis aus
und findet sich nicht bei Erwachsenen. Die Gelenkentzündung
mit Allgemeinerscheinungen ist charakteristisch für Kinder
und ist nur sehr selten bei Erwachsenen zu finden.
Welche
Arten von Laboruntersuchungen sind notwendig?
Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung sind verschiedene Laboruntersuchungen
notwendig, insbesondere zusätzlich zur körperlichen
Untersuchung, um den Typ der juvenilen idiopathischen Arthritis
besser zu beschreiben und Kinder heraus zu finden, die Komplikationen
wie z. B, eine chronische Iricyclitis entwickeln könnten.
Der Rheumafaktor (RF) ist ein Autoantikörper, der nur bei
der polyarticulären Form der juvenilen idiopathischen Arthritis
über längere Zeit und in hoher Konzentration positiv
ist.
Antinucleäre Antikörper (ANA) finden sich häufig
bei Kindern mit früh beginnender oligoarticulärer juveniler
idiopathischer Arthritis. Kinder mit positivem ANA-Befund haben
ein erhöhtes Risiko, eine chronische Iridocyclitis zu entwickeln.
Deshalb müssen regelmäßig Augenuntersuchungen
durchgeführt werden.
HLA-B27 ist ein zelluläres Merkmal, das in bis zu 80 % der
Patienten positiv ist, die eine Gelenkentzündung mit Entzündung
der Sehnenansätze haben. Die Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung
ist deutlich niedriger (5-8 %). Andere Laboruntersuchungen sind
z. B. die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), oder das C-reaktive
Protein (CRP), die das Ausmaß der allgemeinen Entzündung
messen, was jedoch besser durch die körperliche Untersuchung
und die Befragung des Patienten untersucht wird, als durch Laborwerte.
Je nach dem, welche Therapie gewählt wird, muss der Patient
möglicherweise regelmäßig untersucht werden. Laboruntersuchungen
könnten sein: Blutbild, Leberwerte, Urinuntersuchung. Damit
möchte man möglichen Nebenwirkungen der Medikamente
auf die Spur kommen. Regelmäßige Röntgenuntersuchungen
der Gelenke können sinnvoll sein, um das Fortschreiten der
Erkrankung zu erkennen und evtl. die Therapie zu verstärken.
Wie
können wir die JIA behandeln?
Es gibt keine spezifische Therapie zur Heilung der juvenilen idiopathischen
Arthritis. Das Ziel der Behandlung ist es, den Kindern ein normales
Leben zu ermöglichen und Schaden von Gelenken und Organen
abzuwenden, während man auf das natürliche Verschwinden
der Erkrankung wartet. Bei den meisten Fällen verschwindet
die Erkrankung nach einer unterschiedlichen und nicht vorhersagbaren
Dauer. Die Behandlung beruht besonders auf der Anwendung von Medikamenten,
die die allgemeine oder das Gelenk betreffende Entzündung
vermindern. Zusätzlich werden Methoden der Wiederherstellung
angewandt, die die Funktion des Gelenkes erhalten und Fehlstellungen
vorbeugen. Die Therapie ist kompliziert und bedarf der Zusammenarbeit
verschiedener Spezialisten, u. a. eines Kinderrheumatologen, eines
Kinderorthopäden, einer Krankengymnastin, evtl. eines Ergotherapeuten
und eines Augenarztes.
1)Nicht steroidale Antirheumatica (NSAID). Diese Medikamente bekämpfen
das Symptom der Entzündung und senken Fieber. Sie können
nicht ein völliges Verschwinden der Gelenkentzündung
bewirken, sie vermindern aber die Entzündung. Am häufigsten
werden Naproxen und Ibuprofen verwandt, jedoch auch viele andere.
Früher ist auch häufig Aspirin genommen worden, das
wirksam und billig ist. Heute wird es jedoch wegen der möglichen
Giftigkeit für die Leber besonders bei der systemischen Form
in dieser Anwendung nicht mehr eingesetzt. Die NSAID werden im
allgemeinen gut vertragen und Nebenwirkungen des Magens, die die
häufigsten Nebenwirkungen bei Erwachsenen sind, finden sich
nur selten bei Kindern. Es ist nicht sinnvoll, zwei NSAIDs gleichzeitig
zu verordnen, es gibt aber Fälle, bei denen ein NSAID wirksam
ist, nachdem andere versagt haben. Der beste Effekt auf das Gelenk
tritt erst nach einigen Wochen der Behandlung ein.
2)Gelenkeinspritzungen. Diese Behandlungsform wird meist gewählt,
wenn nur eines oder wenige Gelenke betroffen sind oder wenn eine
starke Bewegungseinschränkung vorhanden ist. Das eingespritzte
Medikament ist ein langwirksames Steroid (cortisonartiges Medikament).
Vorhandene Medikamente sind Triamcinolon-Hexacetonid oder Triamcinolon-Acetonid.
Es wird fast kein Medikament in den Kreislauf aufgenommen, so
dass keine cortisonartigen Nebenwirkungen auftreten.
3)Basismedikamente. Diese Medikamente werden angewandt bei Kindern,
die eine fortschreitende Polyarthritis trotz Behandlung mit NSAID
und Gelenkeinspritzungen haben. Sie werden zusätzlich zu
nicht steroidalen Antirheumatica gegeben, die also weiter eingenommen
werden müssen. Die Wirkung der meisten Basisbehandlungsmedikamente
tritt erst nach mehreren Wochen oder Monaten der Behandlung ein.
Das Medikament der ersten Wahl ist niedrigdosiertes wöchentliches
Methotrexat. Es ist wirksam in der Mehrzahl der Patienten. Es
wirkt der Entzündung entgegen, ist aber bei einigen Patienten
und durch einen unbekannten Mechanismus in der Lage, ein vollständiges
Verschwinden der Erkrankung herbei zu führen. Methotrexat
ist meist gut verträglich, Magenbeschwerden und eine Vermehrung
von Leberwerten sind die häufigsten, insgesamt jedoch seltenen
Nebenwirkungen. Wegen einer möglichen Schädlichkeit
muss man das Blut regelmäßig während der Behandlung
untersuchen. Die Behandlung mit Folsäure, einem Vitamin,
vermindert die Häufigkeit von Nebenwirkungen. Sulfasalazin
ist wirksam bei der juvenilen idiopathischen Arthritis, wird jedoch
oft weniger gut vertragen als Methotrexat. Es gibt zudem weniger
Erfahrungen mit dem Medikation als mit Methotrexat.
Bisher gibt es keine ausreichenden Studien bei juveniler idiopathischer
Arthritis, die die Wirksamkeit anderer Medikamente wie Cyclosporin
A oder Leflunomid untersucht hätte. Cyclosporin A ist ein
wertvolles Medikament für die Behandlung des sog. Makrophagen-Aktivierungssyndrom,
das nicht auf Steroide anspricht. Das Makrophagen-Aktivierungssyndrom
ist eine schwere und möglicherweise lebensbedrohliche Komplikation
der systemischen juvenilen idiopathischen Arthritis, wobei es
zu einer massiven allgemeinen Aktivierung des Entzündungsprozesses
kommt. Über Leflunomid bei Kindern gibt es bisher nur wenige
Erfahrungen.
Neue Perspektiven haben sich aufgetan in den letzten Jahren durch
die Einführung von sog. TNF-Blockern. Dies sind Medikamente,
die ausschließlich TNF blockieren (Tumornekrosefaktor),
ein wichtiger Botenstoff des Entzündungsprozesses. Diese
Medikamente werden alleine oder in Verbindung mit Methotrexat
eingesetzt und wirken bei den meisten Patienten. Der Wirkungsbeginn
ist häufig rasch und bisher scheint ihr Sicherheitsprofil
sehr gut zu sein. Jedoch bedarf es längerer Nachverfolgung
der Patienten, um möglicherweise erst später auftretende
Langzeitfolgen zu erkennen. Wie alle anderen Medikamente aus der
Gruppe der Basistherapeutica sollten auch diese Medikamente unter
kompetenter ärztlicher Kontrolle verordnet werden. Die TNF-?-Blocker
sind sehr teuer.
4)Corticosteroide (Steroide, cortisonartige Medikamente). Diese
Medikamente sind die wirksamsten vorhandenen entzündungshemmenden
Medikamente, ihr Einsatz ist jedoch begrenzt bei der Daueranwendung,
weil sie dann zu mehreren bedeutsamen Nebenwirkungen führen.
Dazu gehört auch die Knochenentkalkung und die Wachstumsverminderung.
Corticosteroide sind jedoch wertvoll in der Behandlung der Allgemeinsymptome,
die auf andere Behandlungsmodalitäten nicht reagieren. Zudem
werden sie bei lebensbedrohlichen Allgemeinerscheinungen eingesetzt
und um die Zeit zu überbrücken, bis die langsam wirkenden
Basismedikamente anfangen zu wirken.
Die Behandlung der Wahl der chronischen Iridocyclitis besteht
in der Gabe von Steroid-Augentropfen. Bei schwereren Fällen
werden evtl. auch cortisonartige Präparate in die Augenhöhle
neben dem Augapfel selbst eingespritzt. Schwere Augenentzündungen
machen evtl. die Gabe von Steroiden als Tabletten oder Spritzen
notwendig.
5)Gelenkchirurgie. Der Haupteinsatz im Bereich der Chirurgie ist
der Gelenkersatz im Falle einer schweren unwiederbringlichen Zerstörung
des Gelenkes und die Befreiung eines Gelenkes von Weichgewebe,
das die Beweglichkeit behindert.
6)Rehabilitation. Dies ist ein bedeutsamer Teil der Behandlung.
Dazu gehören Übungen und wenn notwendig die Verordnung
von Schienen, um Fehlbelastungen und falschen Bewegungen entgegen
zu wirken. Die Therapie muss früh beginnen und sollte regelmäßig
durchgeführt werden, um die Muskulatur zu kräftigen
und Fehlstellungen gegen zu wirken.
Was
sind die hauptsächlichen Nebenwirkungen der Behandlung?
Die bei der Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis
benutzten Medikamente werden im allgemeinen gut vertragen. Magennebenwirkungen
sind die häufigsten Nebenwirkungen der nicht steroidalen
Antirheumatica, die deshalb zusammen mit der Nahrung eingenommen
werden sollten. Magennebenwirkungen sind bei Kindern viel seltener
als bei Erwachsenen. Die nicht steroidalen Antirheumatica können
eine Erhöhung der Leberenzyme im Blut bewirken, aber dies
passiert selten außer bei der Anwendung von Aspirin.
Methotrexat wird ebenfalls gut vertragen. Nebenwirkungen des Magen-Darm-Traktes
wie Übelkeit und Erbrechen kommen vor. Um eine möglicherweise
auftretende Nebenwirkung zu erkennen, müssen regelmäßig
einige Laborwerte wie Blutbild und Leberenzyme kontrolliert werden.
Die häufigste Veränderung der Laborwerte ist ein Anstieg
der Leberenzyme, die sich wieder normalisiert, wenn das Medikament
beendet wird oder die Dosis vermindert wird. Die Gabe von Folsäure
oder Folinsäure vermindert die Häufigkeit von Lebernebenwirkungen.
Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Methotrexat sind sehr
selten.
Sulfasalazin wird nicht immer gut vertragen. Die häufigsten
Nebenwirkungen sind ein Hautausschlag, Magen-Darm-Probleme, eine
Erhöhung der Leberwerte, eine Verminderung der weißen
Zellen im Blut. Deswegen müssen auch bei diesem Medikament
regelmäßig Blutuntersuchungen vorgenommen werden.
TNF-?-Blocker werden meist gut vertragen. Die Patienten sollten
sorgfältig auf das Vorliegen möglicherweise schwererer
Infektionen untersucht werden.
Die langfristige Anwendung von Steroiden (cortisonartige Medikamente)
in bedeutsamer Dosis führt zu mehreren wichtigen Nebenwirkungen.
Dazu gehören vermindertes Längenwachstum und Knochenentkalkung.
Steroide in hoher Dosis bewirken eine Zunahme des Appetits, was
wiederum zur Gewichtszunahme führt. Es ist deshalb wichtig,
zu versuchen, die Kinder nicht zu viel essen zu lassen und die
Kalorienaufnahme zu begrenzen.
Wie
lange sollte die Behandlung dauern?
Die Behandlung sollte solange fortgeführt werden, wie die
Erkrankung besteht. Die Krankheitsdauer ist nicht vorherzusagen.
In der Mehrzahl der Fälle von juveniler idiopathischer Arthritis
kommt es zu einem Verschwinden der Erkrankung, meist nach einem
Krankheitsverlauf von einigen bis zu mehreren Jahren. Im Verlauf
der juvenilen idiopathischen Arthritis kann es häufig zu
Verbesserungen und Verschlechterungen kommen, die jeweils mit
einer Veränderung der Therapie einhergehen sollen. Die vollständige
Beendigung der Therapie wird nur nach vollständigem längeren
Verschwinden aller Krankheitserscheinungen erwogen.
Augenuntersuchung
(Spaltlampenuntersuchung), wie häufig und für wie lange?
Bei Risikopatienten (ANA positiv) muss eine Spaltlampenuntersuchung
mindestens alle 3 Monate durchgeführt werden. Die Patienten,
bei denen eine Iridocyclitis auftritt, müssen viel häufiger
untersucht werden, die Häufigkeit hängt von der Schwere
des Befalls ab.
Das Risiko, eine Iridocyclitis zu entwickeln, nimmt mit der Zeit
ab. Jedoch kann die Iridocyclitis auch auftreten mehrere Jahre
nachdem die Gelenkentzündung verschwunden ist. Deshalb sollten
die Augen sinnvollerweise auch dann noch untersucht werden, wenn
die Gelenkentzündung bereits verschwunden ist. Die akute
Iridocyclitis kann bei Patienten mit Gelenkentzündung und
entzündeter Sehnenansätze auftreten. Sie ist leicht
zu bemerken wegen der Rötung der Augen, schmerzhafter Augen
und der Lichtscheu. Deshalb brauchen diese Patienten nicht regelmäßig
an der Spaltlampe untersucht zu werden, solange keine Erscheinungen
auftreten.
Wie
sieht die langfristige Entwicklung (Prognose) der Gelenkentzündung
aus?
Die Prognose der Gelenkentzündung hängt von der Schwere
ab, von der Form der juvenilen idiopathischen Arthritis, der Frühzeitigkeit
und der Angemessenheit der Behandlung. Die Prognose hat sich bedeutsam
verbessert durch Fortschritte in der Therapie in den letzten 10
Jahren.
Die systemische JIA hat eine unterschiedliche Prognose. Etwa die
Hälfte der Patienten haben wenige Gelenkbeschwerden und die
Erkrankung zeigt sich überwiegend durch immer wieder auftretende
Allgemeinsymptome. Die endgültige Prognose ist meist gut
und alle Krankheitserscheinungen verschwinden häufig. Bei
der anderen Hälfte der Patienten findet sich eine fortbestehende
Gelenkentzündung, während die Allgemeinsymptome mit
den Jahren verschwinden. Schwere Gelenkzerstörungen können
sich bei diesen Patienten entwickeln. Schließlich gibt es
eine geringe Anzahl von Patienten, bei denen die Allgemeinsymptome
in Gegenwart des Gelenkbefalls bestehen bleiben. Diese Patienten
haben die schlechteste Prognose und können auch eine Amyloidose
entwickeln, eine schwere Komplikation, bei der es zur Eiweißeinlagerung
in den Körper kommt. Diese Komplikation erfordert eine starke
Therapie.
Die Rheumafaktor positive polyarticuläre JIA zeigt oft einen
fortschreitenden Verlauf, der zur schweren Gelenkzerstörung
führen kann.
Die Rheumafaktor negative polyarticuläre JIA ist unterschiedlich
sowohl im Verlauf der Erscheinungen als auch in der Prognose.
Insgesamt ist die Prognose jedoch besser als bei der Rheumafaktor
positiven Form. Nur etwa ¼ der Patienten entwickeln schwere
Gelenkschäden.
Die oligoarticuläre JIA hat oft eine gute Gelenkprognose,
wenn die Erkrankung auf wenige Gelenke beschränkt bleibt.
Wenn weitere Gelenke betroffen sind, haben diese Patienten eine
Prognose, die der mit polyarticulärer Rheumafaktor negativer
JIA ähnelt.
Die meisten Patienten mit Psoriasis JIA haben eine Erkrankung,
die der oligoarticulären JIA ähnelt, die Neigung zur
Polyarthritis ist jedoch erhöht.
Die JIA, die mit einer Entzündung der Sehnenansätze
verbunden ist, hat eine unterschiedliche Prognose. Bei einigen
Patienten verschwindet die Erkrankung, während sie bei anderen
fortschreitet und auch die Sacroiliacalgelenke betreffen kann.
Bisher gibt es keine Merkmale, die bei der körperlichen Untersuchung
oder bei Labortesten bestimmt werden können und die vorhersagen,
wie schwer der Patient erkranken wird. Solche Vorhersagefaktoren
wären von besonderem Interesse, weil sie dem Arzt erlauben
würden, die Patienten von Anfang an intensiver zu behandeln,
bei denen man einen ungünstigen Verlauf erwartet.
Was
wird aus der Iridocyclitis?
Die chronische Iridocyclitis kann schlimme Folgen haben, wenn
sie nicht behandelt wird. Dazu gehören der Graue Star (Linsentrübung)
und Blindheit. Wenn die Erkrankung jedoch frühzeitig behandelt
wird, wird sie unter der Therapie meist rasch besser. Deswegen
ist die frühzeitige Diagnose ein wichtiger Indikator einer
guten Prognose.
Sind
Impfungen erlaubt?
Wenn ein Patient mit einem Medikament behandelt wird, das die
Infektabwehr unterdrückt (Steroide, Methotrexat und TNF-Blocker)
sollten Lebendimpfungen zurückgestellt werden. Zu diesem
Lebendimpfungen gehören die Masern-Mumps-Röteln-Impfung,
die Schluckimpfung gegen Poliomyelitis, die in Deutschland jedoch
nicht mehr angewandt wird. Todimpfstoffe können angewandt
werden, unter einer immunsuppressiven Therapie könnte jedoch
der Impferfolg eingeschränkt sein. Zu den Todimpfstoffen
gehören die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung,
Hepatitis B, Keuchhusten, Hämophilus influenzae, Pneumokokken,
Meningokokken.
Kann
man den Krankheitsverlauf über eine Diät beeinflussen?
Es gibt keinen Hinweis, dass die Diät den Krankheitsverlauf
beeinflusst. Im allgemeinen sollte das Kind eine ausgewogene altersgemäße
Nahrung erhalten. Bei Patienten, die Steroide einnehmen, sollte
eine Überfütterung vermieden werden.
Kann
das Klima den Krankheitsverlauf beeinflussen?
Es gibt keinen Hinweis, dass Klima die Krankheit beeinflusst.
Ist
Sport erlaubt?
Sportliche Betätigung ist ein wichtiger Teil des täglichen
Lebens eines normalen Kindes. Eines der bedeutsamsten Ziele der
Therapie der JIA besteht darin, den Kindern zu ermöglichen,
ein so normal wie mögliches Leben zu führen und sich
selber nicht als unterschiedlich zu ihren Altersgenossen zu betrachten.
Deswegen gibt es die allgemeine Tendenz, die Patienten am Sport
teilnehmen zu lassen, wenn sie dies möchten und anzunehmen
ist, dass sie die sportliche Betätigung beenden werden, wenn
ein Gelenk weh tut. Obwohl mechanische Belastung möglicherweise
nicht günstig für ein entzündetes Gelenk ist, nimmt
man an, dass der geringe Schaden, der folgen könnte, viel
geringer ist, als der psychologische Schaden, der eintritt, wenn
das Kind nicht am Sport mit seinen Freuden teilnähme wegen
der Erkrankung. Diese Wahl ist Teil einer allgemeinen Herangehensweise,
die das Kind ermutigen soll, über sein Schicksal selbst zu
bestimmen und fähig zu sein, mit der Erkrankung und möglichen
Einschränkungen selber umgehen zu lernen.
Ein Teil dieser Überlegungen führt dazu, dass Sportarten
bevorzugt werden, bei denen der mechanische Streß der Gelenke
geringer ist wie z. B. Schwimmen und Fahrrad fahren.
Kann
das Kind regelmäßig zur Schule gehen?
Es ist besonders bedeutsam, dass das Kind regelmäßig
zur Schule geht. Es gibt einige wenige Faktoren, die den Schulbesuch
problematisch machen können. Dazu gehören Schwierigkeiten
beim Gehen, Müdigkeit, Schmerzen oder Steifheit. Es ist deshalb
bedeutsam, dem Lehrer des Kindes mögliche Besonderheiten
zu erklären und dem betroffenen Kind den Schulbesuch zu erleichtern.
Dazu gehören entsprechendes Mobiliar, regelmäßige
Bewegung während der Schulstunde, um Steifheit zu vermeiden,
Hinweis auf mögliche Schwierigkeiten beim Schreiben. Die
Patienten sollten wo immer möglich an den Sportstunden teilnehmen.
Hier gelten die gleichen Überlegungen wie oben beim Sport
diskutiert.
Schule ist für ein Kind ebenso wichtig wie Arbeit für
einen Erwachsenen, eine Stelle, wo das Kind lernt, eine selbstständige
Person zu werden, die unabhängig ist und beitragen kann.
Eltern und Lehrer sollten zusammenarbeiten, dass auch das erkrankte
Kind an allen Schulaktivitäten normalerweise teilnehmen kann.
Neben dem außerordentlich wichtigen Schulerfolg sollten
auch die Fähigkeiten des sozialen Austausches mit Gleichaltrigen
und Erwachsenen erlernt werden und der Patient sollte das Gefühl
bekommen, dass er angenommen und geschätzt wird von seinen
Freunden.
Wird
das Kind ein normales Leben als Erwachsener haben?
Dies ist eins der wichtigsten Ziele der Behandlung und es kann
bei fast allen Patienten erreicht werden. Die Behandlung der juvenilen
idiopathischen Arthritis hat in der Tat dramatische Fortschritte
in den letzten 10 Jahren gemacht und es ist möglich, dass
weitere neue starke Medikamente in der Zukunft vorhanden sein
werden. Der gleichzeitige Einsatz von Medikamenten und Krankengymnastik
kann nun bleibenden Gelenkschaden bei fast allen Patienten verhindern.
Besondere Bedeutung sollte der möglichen seelischen Beeinträchtigung
durch die Erkrankung gewidmet werden. Dies betrifft sowohl den
Patienten selber als auch seine Familie. Eine chronische Erkrankung
wie die JIA ist häufig eine schwierige Herausforderung für
die ganze Familie und, je schwerer die Erkrankung ist, desto schwieriger
ist es, mit ihr umzugehen. Es wird schwierig sein für das
Kind mit der Erkrankung umzugehen, wenn die Eltern dies nicht
schaffen. Die Eltern können eine sehr starke Bindung zu dem
kranken Kind aufbauen, um es vor möglichen Problemen zu schützen.
Dabei können sie sich evtl. überschützend benehmen
und das Kind in seiner Entwicklung und Entfaltung einengen.
Eltern sollten ihren betroffenen Kindern positiv und optimistisch
entgegen treten und sie unterstützen und ermutigen, selbstständig
trotz der Erkrankung zu sein. Dies ist eine große Hilfe
für das Kind, um die Schwierigkeiten zu überwinden,
die sich aus der Erkrankung ergeben. Auf diese Art und Weise können
sie mit ihren Gleichaltrigen gut zurecht kommen und eine unabhängige
ausgeglichene Persönlichkeit entwickeln.
Psychosoziale Hilfe sollte in Anspruch genommen werden, wenn dies
notwendig ist.

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